'doppelter' Ersttags-Beleg
Mischfrankatur (MIF) der 5 und 40 Pfg. Germania „Kriegsdruck“ MiNr. 85 IIa + 90 IIb auf korrekt freigemachter Inlandspostkarte, mit der Zusatzleistung „Einschreiben“ von Berlin nach Leipzig.
Beim ersten Anblick der Postkarte ist man etwas irritiert. So ging es mir auf jeden Fall. Warum ist denn da so viel Porto verklebt – 45 Pfg.?
Nach genauerer Betrachtung und unter Berücksichtigung des Beförderungstages dem 1.10.1919 (Stempelabschlag KGS „BERLIN, W. * 35 m“) ergibt sich aus der Portotabelle die eigentlich ganz einfache Lösung. Der 1.10.1919 ist der erste Tag der Portoperiode 4 (PP 4). Mit diesem Datum wurden die Postgebühren im Deutschen Reich erhöht. Das Porto für eine Inlandspostkarte, bisher 10 Pfg. stieg auf 15 Pfg. und der Zuschlag für die Zusatzleistung „Einschreiben“, das seit dem 1.1.1875, also fast 45 Jahre mit 20 Pfg. immer konstant war, wurde auf 30 Pfg. angehoben.
Zusammengenommen ergab sich eine Porto-Erhöhung für die gezeigte Postkarte von 15 Pfg. zur vorhergehenden Portoperiode PP 3, also „zum Vortag“.Den hier abgebildeten Beleg kann man also in doppelter Hinsicht als einen „Ersttags-Beleg“ bezeichnen. Zum einen dokumentiert er den „Ersttag“ des 15 Pfg. Inlandspostkarten Portos, gleichzeitig aber auch den „Ersttag“ der Gebühr 30 Pfg. für die Zusatzleistung „Einschreiben“. Eine kleine aber feine Rarität, die man auch nicht jeden Tag findet und die ihren Platz in meiner Germaniasammlung bekommt.
Armin Städler
